Geschichte des Schlosses Kuckuckstein

Schloss Kuckuckstein in Liebstadt in Sachsen liegt auf einem Felsvorsprung über dem Flusstal der Seidewitz an einem für die Kontrolle des Handelsweges vom Elbtal über das Osterzgebirge nach Böhmen (Kulmer Steig) sehr günstigen Standort.

Schloss Kuckuckstein gilt heute als seltenes Baudenkmal der frühen Neugotik und der Frühromantik. Zusammen mit dem großen Landwirtschaftsbetrieb entstand Ende des 18. Jahrhunderts eine reizvolle Landschaft, Burganlage und Landschaftspark bilden dazu eine eindrucksvolle Kulisse. Dabei besitzen die Formen oft keinerlei Funktion (Schießscharten, die nicht als solche genutzt werden können, Kapitelle aus Holz, die Stein vortäuschen, oder auf Wände aufgemalte Säulen). Dies ist jedoch Ausdruck des Historismus in jener Zeit. Der Umbau bildet eine gewisse Einheit und ist deshalb wertvoll, insbesondere auch, weil diese frühe „sentimentale“ Neugotik sehr selten ist.

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Entstehungszeit

Das Schloss wurde urkundlich erstmals im Zusammenhang mit der Belehnung von Günther und Heinrich von Bünau durch Friedrich den Jüngeren (Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen) am 4. September 1410 erwähnt.

Man kann aber davon ausgehen, dass Siedlung und Schloss (in der Entstehungszeit wohl eher eine Burg) wesentlich früher entstanden sind. Ob die Ansiedlung oder die Burg zuerst erbaut wurde, ist nicht geklärt. In einer Urkunde vom 19. Oktober 1286 verlieh der Besitzer Otto von Dohna das Städtchen (civitas) an das Bistum Meißen. Von der Burg ist hier keine Rede. Die Burg blieb offensichtlich im Besitz der Donins. Dass sie bereits existierte, lässt sich deshalb vermuten, da sonst eine ummauerte Stadt an diesem Ort keinen Zweck gehabt hätte. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass Stadt und Burg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden sind. Andere Überlieferungen gehen sogar davon aus, dass die Burg bereits 930 bis 940 unter Heinrich I. als Grenzfeste erbaut wurde.

 

Der Name „Kuckuckstein“ findet sich erstmals 1791 in einem alphabetischen Verzeichnis aller „Schrift- und Amtssässigen“ im Kurfürstentum Sachsen. Es ist auch bei diesem Namen unklar, seit wann er verwendet wurde. Da der Kuckuck bis in das 16. Jahrhundert als „Gauch“ bezeichnet wurde, müsste das Schloss bis dato eigentlich „Gauchstein“ geheißen haben. Der Kuckuck war im Mittelalter auch Wappentier und stand für Wachsamkeit – im Gegensatz zum Löwen (Wildheit – Burg Lauenstein oder Löwenstein) und dem Bären (Kraft – Burg Bärenstein). Dies könnte erklären, warum die Bünaus nach der Zerstörung der Burg während der Dohnaischen Fehde (1385–1402) diesen Namen nicht mehr verwendet haben.

Der Wiederaufbau begann erst 1453. Auf den Grundmauern der alten Burg entstand das Schloss im Stile des Arnold von Westfalen. Eine entsprechende Inschrift findet sich noch an der Außenwand des Palas.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Liebstadt wie viele deutsche Ortschaften oft von Söldnern heimgesucht. 1643 wurde das Schloss von Kaiserlich-Hatzfeldschen Söldnern gestürmt und geplündert.

Vom 17. in das 20. Jahrhundert

Über 200 Jahre befand sich das Schloss im Besitz der Familie von Bünau. 1651 fiel sie an Oberstleutnant Detlev von Wedelbusch, den zweiten Ehemann der verwitweten Anna Sophie von Bünau, die wiederum verwitwet, das Schloss am 13. Dezember 1694 an den Generalleutnant Cunno Christoph von Birkholz verkaufte. Während des Besitztums derer von Birkholz (nachweisbar bis 1741) wurde die Burg umfassend im Rokokostil erneuert. In den Folgejahren wechselten die Besitzer der Burg mehrfach.

Erst 1775 erstand der Kreiskommissar Hans Carl August von Carlowitz das Schloss aus der Konkursmasse für 40.407 Taler. Neben Stadt und Schloss gehörten auch die Dörfer Wingendorf, Herbergen, Göppersdorf, Döbra und Berthelsdorf sowie umfangreiche Wälder zum Besitz. Die ursprünglich zum Schloss gehörenden Bergrechte waren hingegen bereits 1492 von den Bünaus an Herzog Georg für 700 rheinische Gulden und die hohe Jagd 1737/38 von den Birkholz für jährlich vier Stück Wild und 100 Meißner Gulden an Kurfürst Friedrich August II. abgetreten worden.

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Das Schloss blieb bis 1931 im Besitz der Familie von Carlowitz. Unter den Mitgliedern dieser Familie befanden sich in dieser Zeit eine Reihe körperlich und geistig hoch begabter Vertreter. Deshalb zog in das Schloss auch ein neues geistiges und geselliges Leben ein. Das Schloss wurde wohnlicher gestaltet und im Geschmack der Romantik teilweise neu ausgestattet. Auch war zum Beispiel 1798 Novalis als Freund der Familie Gast auf Schloss Kuckuckstein und der Schlossherr Carl Adolf von Carlowitz (1771–1837) ließ sich mit Gemahlin 1805 vom Dresdner Maler Anton Graff porträtieren. Darüber hinaus bekannte sich der Besitzer zur Freimaurerei. Gleichzeitig unterstützte Carl Adolf auch Heinrich von Kleist bei der Herausgabe der Zeitschrift „Phöbus“. 1800 wurde im Schloss eine Freimaurerloge eingerichtet, die mit geheimnisvollen, frühromantischen Malereien ausgestaltet wurde. Die Bibliothek des Schlosses verfügt außerdem über einige wertvolle Freimaurerschriften.

Die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts hat bei den Besitzern des Schlosses sowie in der gesamten Region starke Spuren hinterlassen. Die Koalitionskriege, die für die Region ihren Höhepunkt um das Jahr 1813 hatten, führten zu Zerstörungen, Krankheit, Not und Elend unter der Bevölkerung; wobei Plünderungen und Brandschatzungen bei den Franzosen wie auch den Russen vorkamen.

Die Kämpfe zwischen russischen und französischen Truppen sowie ihren Verbündeten führten zwischen Erzgebirge und Elbe zu einer Vielzahl von Scharmützeln, von denen auch heute noch Zeugnisse vorhanden sind (Napoleonschanze bei Herbergen, Gedenktafeln und Kanonenkugeln in Dohna und vieles mehr).

Am 9. September 1813 übernachtete Napoléon I. im Schloss, nachdem er von den Höhen nördlich von Liebstadt bei Borna den Rückzug des Gegners beobachtet hatte. Seine Streitmacht verfügte noch über 400.000 Franzosen, die in Stadt und Umgebung lagerten. Carl Adolf von Carlowitz setzte sich in dieser Zeit aktiv gegen die Napoleonische Besetzung ein und trat auch als Generalmajor der Kavallerie in den Dienst des russischen Zaren. Direkte Feindberührung bekam er aber nicht, da er das von ihm aufgestellte sächsische Jägerkorps (2.900 Mann) erst im April 1814 erreichte. Paris hatte aber schon am 16. März kapituliert.

Im Verlauf des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts machte eine Reihe von Familienmitgliedern von sich reden, aber nicht das Schloss. Die Not der Inflationszeit in den zwanziger Jahren führte dazu, dass auch Schloss Kuckuckstein wieder verkauft werden musste. Es wurde 1931 durch Ottomar Heinsius von Mayenburg ersteigert.

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20. Jahrhundert bis heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss enteignet, kam in Volkseigentum und wurde vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und seit 1952 von der Stadt Liebstadt verwaltet. 1954 wurde das Museum eingerichtet und zunächst vom Lehrer Walter Jobst geleitet, der sich sehr stark für den Erhalt des Schlosses einsetzte und sich mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen große Verdienste um die heimatgeschichtliche Forschung im Osterzgebirge erwarb. Gleichzeitig brachte er seine Sammlung heimatkundlicher Gegenstände, besonders aus der einheimischen Vogel- und Pflanzenwelt, in den Bestand des Museums mit ein. Darüber hinaus verfügt das Museum über eine Reihe historischer Gegenstände aus der Freimaurerei wie Logenabzeichen, Freimaurerschurze sowie über Ölgemälde, die vormalige Logenbrüder aus den sächsischen Logen darstellen.

 

1995 ging das Schloss in den Besitz der Stadt Liebstadt über, die es seit Herbst 2003 wegen zu hoher Unterhaltskosten zum Verkauf ausschrieb. Der Verkehrswert wurde auf 380.000 Euro geschätzt. Von den drei Bietern erhielt der österreichische Unternehmer und Unternehmensberater Ralph Neunteufel den Zuschlag. Nach Medienberichten wollte er für das Schloss 300.000 Euro zuzüglich 41.000 Euro für das Grundstück zahlen. Der Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages scheiterte jedoch, da Neunteufel eine zusätzlich geforderte Bürgschaft nicht beibrachte. Die daraufhin geführten Verhandlungen mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz blieben ebenfalls ergebnislos, da der Verein nach Prüfung der finanziellen Erfordernisse eine Übernahme des Schlosses ablehnen musste.

2006 schrieb der Liebstädter Stadtrat das Schloss erneut zum Verkauf aus. Kaufinteressenten waren Michael Graf von Plettenberg (Fabrikplaner aus Ludwigsburg, Kaufgebot Verhandlungssache), ein Vereinskonsortium bestehend aus dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz, dem Förderverein Schloss Kuckuckstein und dem Kurortentwicklungs- und Förderverein Bad Gottleuba-Berggießhübel (Kaufgebot symbolisch 3 Euro), Günter von Bünau, ein Nachfahre der ehemaligen Schlossherren von Bünau (Kaufgebot 128.000 Euro) und erneut Ralph Neunteufel. Letzterer offerierte mit 155.000 Euro das für den Stadtrat in schematischer Entscheidung ausschlaggebende höchste Kaufgebot, so dass am 4. Juli 2006 der Verkauf an den Österreicher beschlossen wurde, ohne die Ressourcen der Bewerber und ihre Fähigkeiten zur Umsetzung der vorgeschlagenen Konzepte zu prüfen.

Neunteufels Nutzungskonzept sah – nach der Sanierung – eine öffentliche wie private Nutzung des Schlosses vor. Dafür verpflichtete er sich vertraglich, bis 2012 mindestens 500.000,- € in den Bau zu investieren. Die Stadt Liebstadt, die zuvor das mit viel Engagement während der DDR-Zeit eingerichtete Heimatmuseum geschlossen und eine Sanierung der erheblichen Bauschäden am Gebäude unterlassen hatte, wirft dem Eigentümer inzwischen vor, dieser Sanierungsverpflichtung nicht nachgekommen zu sein und klagt seit mehreren Jahren gegen den Schlossbesitzer. Im Juni 2016 schlug das Landgericht Dresden eine gütliche Einigung durch Rückabwicklung des Kaufvertrages vor, die der Stadtrat zunächst ablehnte.

Im Zuge des Rechtsstreites gelangte Schloss Kuckuckstein im Januar 2018 wieder in den Besitz der Stadt Liebstadt, die es kurz darauf erneut in Privatbesitz veräußerten. Unter den neuen Eigentümern wurden schon im Laufe des Jahres 2018 erste Sanierungsarbeiten durchgeführt. Der Zauberer Peter Kersten gastierte im Herbst 2018 erstmals seit längerer Zeit wieder auf Schloss Kuckuckstein.

Text-Quelle: wikipedia.org